Paul in Italien 2010

Folge 1: Nachrichten von Paul

Paolo, Zimmer 16, Hotel Bel Sit

Ciao Radgemeinschaft, bon giorno aus Italien,

endlich ist es soweit, wir sind angekommen in Scapezzano di Senigallia im Hotel Bel Sit. Für zwei Wochen wird die hügelige Provinz Marche nördlich Ancona unser Trainingsrevier sein.

Gestern abend gegen halb neun haben wir uns von Hamburg aufgemacht, in einem FIAT-Transporter mit 21 Rädern vollgeladen, und sind gen Süden gestrebt. Abwechselnd haben wir den Turbodiesel durch den angenehm geringen Verkehr auf Tempo gehalten und gegen sechs Uhr morgens den Brenner überquert. Der dichte Regen um Bologna herum erinnerte uns an das letzte Jahr, als wir im selben Hotel zwei Wochen wettermäßig ein sehr durchwachsenes Trainingslager erlebt haben. Auch diesmal regnet es, als wir den Transporter vor dem Hotel abstellen. Naa, das wird doch wohl nicht wieder so kommen?!

Die Meteorologen geben Entwarnung, erfahren wir an der Reception. Nur ein Regengebiet, das durchzieht, es soll die Woche jeden Tag sonniger und wärmer werden.

Das glauben wir jetzt einfach mal.

Wir laden unsere Räder aus, die in einen extra Fahrradkeller gestellt werden, schleppen die schweren Taschen durchs Treppenhaus und beziehen unsere Zimmer. Wir, das sind übrigens Hans-Jürgen aus Hamburg, Gunther aus Halstenbek und ich, Paul aus Prisdorf.

Durch den eingeschränkten bzw. sogar stillgelegten Flugverkehr sind von unserer Gruppe noch gar keine "Flieger" da, und was man so hört, kann sich das auch noch hinziehen. Mal sehen, wer bei der ersten Besprechung heute abend vorm Essen schon da ist. Wer kann damit auch rechnen, das zum Urlaubstart sowas dazwischen kommt. Anteilig dürften das so fast die Hälfte sein, bei 50 Teilnehmern ein große Gruppe. Wir drücken ihnen die Daumen, das die Anreise irgendwie klappt.

Draussen pladdert es wieder stärker, und wir entschließen uns, den Supermarkt bei Senigallia für Wasser, Kekse und Fruchtsäfte anzufahren. Das Angebot ist überaus vielfältig, die Italiener scheinen die Kekse erfunden zu hgaben.

Nun sitzen wir auf den Betten, wählen uns ins WLAN ein und checken unsere Mails und schauen, was so läuft in der Welt. St.Pauli verliert, Vettel holt die Pole, und, tatsächlich, www.meteo.it verteilt für die Woche nur positive Wettersymbole, runde gelbe Scheiben, zweistellige Zahlen mit einer zwei vorn und ähnliches. Da sind wir ja mal gespannt, good vibes!

Gleich werden wir runter in den Essensaal schauen, gegen 15.30 Uhr gibt es jeden Tag eine kalte Platte mit typisch italienischen Leckereien, eigentlich eher für die erste Nahrungsaufnahme nach einer längeren Trainingseinheit gedacht, aber damit können wir noch nicht dienen. Aber Hunger ist trotzdem vorhanden, denn 16 Stunden Autofahrt, 2 Stunden Schlaf und die vergangene Arbeitwoche stecken irgendwie auch in den Knochen. Diese vielen kleinen Schmerzen, die radeln wir uns morgen einfach aus den Beinen.

Also bis morgen, ich werde berichten!

17.04.2010


Folge 2: Paul im Trainingslager

Bon giorno aus Italien,

Hotel Bel Sit Videodas hatte doch Gesicht. Nix von schlechtem Wetter, nur ein wenig die übliche Morgenkälte, als wir morgens vorm Frühstück das Wetter prüfen. Noch ist die Entscheidung nicht gefallen,ob wir tatsächlich kurz-kurz fahren, aber mit Armlingen und Knielingen sollte es auf unserer 100 km Ausfahrt klappen.

Gestern abend sind uns die unterschiedlichen Touren vorgestellt worden, Heiko aus Rosengarten und Bernd aus Kaltenkirchen, ihres Zeichens nach Triathleten, haben sich für die zur Zeit stärkste Gruppe entschieden. So wie ich auch. Ich kenne die beiden schon aus dem letzten Jahr, als wir etliche Höhenmeter und viele Kilometer zusammen durch die Marche gekurbelt sind.

Das Frühstück ist vielfältig, Müsli und Rührei, Kuchen, Weissbrot, Brötchen und Joghurt, eigentlich alles, was Kraft gibt und bei Sportlern angesagt ist. Einzig der Kaffee, zum selbermischen mit einer Kaffe und einer Kanne warmer Milch auf dem Tisch, ist stark und auch mit der Milch kaum aufzuhellen.

Abfahrt ist gegen 10 Uhr, bis dahin hat sich jeder angezogen, das Rad ausgestattet und aus dem Fahrradkeller geholt. Heute ist für fast alle der erste Tag, und so gibt es diverse Probleme, schleichender Platten, leere Batterien, schleifende Bremsen, fehlende Trinkflaschen.

Alles wird gelöst, inzwischen ist die Sonne draussen und gibt einen Vorgeschmack auf den Tag. Die erste Gruppe fährt los, und wir folgen unserem Guide Carsten den Berg hoch und durch Scappezano ins nächste Tal. Die Strassen sind relativ schlecht, rauher Teer, Löcher und Risse sind generell überall zu erwarten, beide Hände am Lenker sind Pflicht. Zum Teil lässt sich so in der kompakt fahrenden Gruppe kaum etwas anzeigen, aber jeder weiss, was kommen kann und nimmt ab und zu den Hintern hoch, um den Druck vom Hinterrad zu bekommen.

Im Tal geht es lang, viele Italiener nutzen ihren Sonntag, um ihren Renner auszuführen, ein freundliches "Ciao" entlockt den helmlos trainierenden Italos ein Lächeln. Unser Weg führt uns aus dem Tal heraus, die Orte liegen auf den Hügeln, weit sichtbar thronen Burgen und Kirchen, meist führen die Straasen in Serpentinen zur Altstadt, um dann steil wieder abzufallen und uns fix ins Tal zu befördern. Motorräfer, wenig Autos, heute keine LKW's, es ist ein toller Anfang in unser Trainingslager.

Mein Navi am Lenker zählt alle Daten, Höhenmeter, Fahrzeit, einfach alles wird aufgezeichnet. Mal sehen, was sich mit der Datenflut anfangen lässt. Eine Panne beschert uns eine Pause von fast 15 Minuten, ein Bremsklotz hat die Flanke von Uwes Vorderrad bearbeitet, der Schlauch platzt mit einem lauten Knall, aber alles geht gut, trotz 40 km/h. Es lässt sich reparieren, und kaum wieder auf dem Rad kommt die Frage nach einer Cappuccino-Pause auf. Tja, es wird sich was finden.

Und in Ostra ist es soweit, eine wunderhübsche Altstadt mit einem Café am Rathaus, wir können unsere Stühle in die Sonne rücken und der Koffeinaufnahme frönen.

Die letzten 20 Kilometer rollen etwas zäh, auf dem Höhenrücken geht es zurück nach Scappezano, und vorm Hotel treffen wir unsere anderen Gruppen, die fast alle schon zurück sind.

101 Kilometer, ca. 1350 Höhenmeter, 4 Stunden 20 Minuten. Schön wars. Am liebsten möchte man die Zeit bis zum Sonnenuntergang nutzen und einfach weiter sporten, aber es gilt, nicht zu übertreiben am Anfang. Schön Grundlage, Tag für Tag, der Druck kommt von alleine.

In diesem Sinne, sonnige Grüße nach Germania, von Paolo aus Scappezano

18.04.2010


Folge 3: Hallo RG Wedel, bon giorno aus Scappezzano,

ich habe euch ein paar Fotos hochgeschickt, es ist deutlich zu sehen, mit was wir uns hier den ganzen Tag beschäftigen.


Bis bald,

euer PAUL

20.04.2010


Folge 4: Ruhetag .....

Buena notte aus dem sonnigen Scapezzano,

ein sonniger Tag, ein angenehm warmer Tag liegt hinter uns, befreit vom Kilometerspulen, Lenkerfesthalten, Durchgeschüttelt werden, Konzentrieren auf Strassenbelag und Vordermann, geschaffen für Hotelgarten, Hollywoodschaukel, Fahrradkeller, Sonnenterasse, Kaffeetrinken, Sightseeing, Fahrradladen, genutzt für Pläneschmieden, Körperpflege, Dösen, Schlafen, Aufräumen, also einfach NICHT Radfahren. Na gut, der eine oder die andere ist ein wenig gefahren, eventuell geschwommen, ich bin gelaufen, aber nur ganz vorsichtig. Ist ja Ruhetag. Und soooo ein Wetter. Ausserhalb des stärker werdenden Windes an die 25 °, kaum Wolken und somit echte Strahlung, die auf uns niederbruzelt. Bernd und ich sind eine Runde gelaufen, mit dem Steilstück runter von unserem Hotelhügel und nachher wieder rauf, war das ein sehr gutes Training, die ca. 2 Kilometer auf dem festgepressten Sandstrand der Adria ein sommerliches Erlebnis.

Der Tag, an dem die Fotos entstanden sind, war Montag, unser Klassikertag, rauf zur Panoramica, eine Art Küstenklassiker für Italienfahrer. Zu allererst muß der Einstieg erreicht werden, generell unterschiedlich zu lösen. Wir kurbeln diesmal im Hinterland in die grobe Richtung, um dann in Pesaro den Stadtverkehr zu durchpflügen. Augen immer und überall, Höchstkonzentration auf LKW's, schnelle Mopeds und Vespa-Dreiräder. Plötzlich ist es geschafft, und die Rampe begrüsst uns, rauf geht es, Serpentine für Serpentine, die Aussicht wird mit jedem Teilstück besser, weil wir Höhe gewinnen. Es gibt Aussichtsterrassen, Cafes und Hotels, die sich auf die schmale Steilküste schmiegen, passiert von der Strasse, die uns beständig weiter Richtung Norden führt und mal steigt, mal fällt. Der Belag ist nicht verbessert zum letzten Jahr, eigentlich überall scheint kein Geld vorhanden, um die angegriffenen Strassen zu pflegen. Die Rücktour verläuft auf "Hochgeschwindigkeitsstrecken", die uns immer parallel zu Autostrada, Bahn und Küstenlinie nach Hause Ca. 130 Kilometer und eine Zeit von 5 Stunden 30 Minuten im Sattel notieren wir für diesen Tag. Die 1350 Höhenmeter waren so aussichtsreich, fast vergessen die Anstrengungen.

Die Strecke von Paul aufgezeichnet (Vorsicht große Datei):

 

 

Gestern war bisher unser längster Trainingstag, 132 km in 5 Stunden 45 Minuten, ca. 1900 Höhenmeter. Der Höhepunkt dieser Strecke ist immer die Furlo-Schlucht, eine tiefe Kerbe im Kalksteinmassiv mit einer abenteuerlichen Strasse und gewagten Felsüberhängen. Für den Autoverkehr zur Zeit gesperrt, dürfen die bicicletti passieren und so gelangt unsere Gruppe zum anspruchsvollen Anstieg. Hier summieren sich 700 Höhenmeter, eine leichte Abfahrt, erneut 450 Höhenmeter mit einer von Schotterpassagen gespickten Abfahrt und einem nur noch geschotterten Aufstieg mit 550 Höhenmeter zu einem Erlebnis, das zur Zeit der ersten Gruppe vorbehalten ist. Die Flachpassagen müssen wir recht zügig fahren, um noch halbwegs am späten Nachmittag das Hotel zu erreichen. Währe doch schade, wenn die anderen die leckeren Snacks alleine verputzen. Ohne Panne haben wir das Wagnis erledigt, weitere wertvolle Kilometer in Beinen und Tacho.

Morgen scheint auf uns ein windiger, zum Teil stürmischer Tag zu warten. Sonne und hohe Temperaturen sind vorhergesagt, die drehenden Winde passen allerdings gar nicht zu der frühsommerlichen Stimmung, die uns alle inzwischen erfasst hat. Schaun wir mal, was wir daraus machen können.

Eine gute Tour euch allen,
bis dahin,

Grüße vom PAUL

Die Strecke von Paul aufgezeichnet (Vorsicht große Datei):

 

 

21.04.2010


Folge 5: Bettenwechsel .....

Bon giorno aus Scapezzano di Senigallia,

heute ist Samstag und somit reisen die ersten Teilnehmer wieder ab, neue kommen dazu und ergänzen unsere Gruppe zu ursprünglicher Stärke. Die Guides bieten eigentlich keine Touren an, eine etwas langsamere Gruppe soll heute nachmittag noch losfahren. Auch wir planen noch eine Runde, mal sehen, wann wir loskommen.

Wir haben aber schon was geleistet und das leckere Frühstück gerechtfertigt, eine Laufeinheit zum Strand, einmal über die aufgewühlte, graubraun schäumende Adria schauen, die krachenden Wellen beobachten, die über die vorgelagerten Wellenbrecher schlagen, die vom Seetanggeruch gesättigte Luft einsaugen und nach frisch angespülten Muscheln Ausschau halten. Der Sand ist bretthart, die knapp überm Spülsaum liegende Fläche wird stetig von den Wellen massiert, ideal zum Laufen entlang des Wassers. Wir wollen aber wieder zum Hotel und nehmen den Weg zurück, gen Hotel, die stetig steigende Straße entlang, am Stück 160 Höhenmeter, so was haben wir in Hamburg nicht.

Am Donnerstag waren wir ein wenig sehr müde, als es nach dem Ruhetag wieder aufs Rad ging. Unser Guide hatte eine Runde gewählt, die uns in den Südosten der Provinz führte, Richtung Jesi. Der Straßenbelag war durchweg gut, scheinbar ist hier mehr Geld vorhanden, oder es gibt offizielle Anlässe, die intakte Straßen voraussetzen. Eine Straßenrennveranstaltung wird hier in den Dörfern beworben, eventuell der Grund. Die Strecke entwickelte sich immer angenehmer, der gute Asphalt ermöglicht beim geruhsamen Bergklettern das Ausschauhalten in die Täler, je höher wir kommen, umso weiter wird der Ausblick, im Südosten die schneebedeckten Gipfel der Abruzzen, einzeln stehende Kegel, oben in dünne Wolken gepackt.

Die Durchquerung von Jesi gestaltete sich einfacher als erwartet, der Stadtverkehr war übersichtlich und schien uns zu akzeptieren. Der Abstieg ins nächste Tal führte über eine übersichtliche Serpentinenstrasse, die Gruppe zog wie an der Schnur gezogen die Strasse entlang, in der dritten Kehre war es passiert. Die ersten Zwei kamen sauber durch, Walter kippte zu weit in die Innenkurve, das Hinterrad schmierte weg, er knallte mit der rechten Seite auf, das Rad schliff mit dem Schaltwerk und dem Pedal über den Asphalt. Wir riefen, stoppten, schmissen unsere Räder beiseite und halfen Walter von der Straße zu kommen. Das Rad musste etwas gerichtet werden, das Schaltauge war verbogen, aber es ließ sich beheben. Carsten nutzte das erste Mal in seiner Guidetätigkeit das Verbandsmaterial, bevor es weiter ging. Alle waren hellwach, und die nächsten Kilometer wurde bergab langsam gerollt. Die Prellung an Walters rechter Seite entwickelte sich, und das Treten fiel ihm immer schwerer. Wir nahmen Kurs auf Senigallia und trafen nach 125 Kilometer und 2200 Höhenmeter wieder am Bel Sit ein.

Soweit erstmal, ich melde mich heute abend nochmal.
Ciao ragazzi,

PAUL

Die Strecke von Paul aufgezeichnet (Vorsicht große Datei):

 

 

24.04.2010


Folge 6: Zweite Woche .....

Buena sera aus Scapeazzano,

am Freitag morgen ist gegen viertel vor acht der Wecker gestellt, in den Zimmern brummen, summen, vibrieren, tönen, trällern die Handies um die Wette, um die müden Radfahrer in die Senkrechte zu zwingen. Ich springe, die Bettdecke zurückschlagend, aus dem Bett. Das Parkett ist kühl, ich muß mir schnell was anziehen. Ab acht erwartet uns Dirk im Fitnessraum, er hat seit Walters Unfall die Morgengymnastik übernommen, und er macht das richtig gut. Aufgrund des regnerischen Wetters findet es drinnen statt, wir hatten aber auch schon in der Morgensonne auf der Terasse die verspannten Gräten gedehnt.

Heute hat der etwas überheizte Raum genug Platz für alle, der Andrang hält sich in Grenzen. Wir dehnen die Beine, den Oberkörper, die Schulter mit Nacken, nichts von den schmerzenden Rennradfahrerpartien kommt zu kurz. Kurz vor Schluß stürzen noch zwei Verschlafene über die Türschwelle, "och, schade, habt ihr schon um acht angefangen?" - Yau, haben wir ! Das Frühstück beginnen wir so erst gegen halb neun, alle anderen sitzen schon im Frühstücksraum und haben Kaffee, Rührei con Speck oder Fried Eggs without Speck längst geordert. Wir mischen uns unters Volk und knuspern Müsli, Yoghurt und Brötchen, hell oder dunkel, entscheiden uns zwischen Kuchen zur Vorspeise oder Croissant mit Aprikosenfüllung zum Abschluß.

Das Wetter draussen ist nicht prächtig, wir haben schon seit langem das Regengebiet verfolgt, das über den Mittelmeerraum aus Westen heranrauscht. Nichts bannt die Gemüter stärker als Wettervorhersagen, noch dazu Regen und Kälte. Gunther und ich haben den Boghetta-Besuch an erste Stelle gesetzt, da ist an Radfahren gar nicht zu denken. Boghetta- ein Radladen nach italienischen Stil in Familienbesitz, uns bekannt seit den ersten Cesenaticoaufenthalten in den 2000 er'n, ist immer eine Reise wert. Heute haben wir zwei Räder dabei, ein Rad mit Bedarf an neuen Bremsbelägen und einer Schaltungsjustage, sowie ein Rad mit dem Wunsch einer neuen Compactkurbel. Nach einer tollen Begrüssung werden die Räder übergeben und pronto geht es los. Ich hab Zeit, nach neuen Klamotten zu schauen und diese anzuprobieren. Viele Sachen, die es bei uns so nicht gibt, landen im Einkaufskorb.

Wir lassen der Familie Boghetta noch einen Teil ihrer Mittagspause und gehen in der Fußgängerzone Geld holen und ein Eis essen. Danach schwingen wir uns wieder auf die Autobahn und rauschen Richtung Bel Sit. Wir haben alle Einkaufslisten abgearbeitet, das eine oder andere wird direkt ausgehändigt und bezahlt, gerade rechtzeitig sind wir zurück, um den Nachmittagsimbiss einzunehmen.

Irgendetwas muß ja am Ende des Tages stehen, also ziehe ich mich um und entere den Fitnessraum. Heiko ist dabei, und zeigt mir ein Massagegerät, das mit einer umlaufenden Trommel und aufgesetzten Holzkugeln die Lockerung von Oberschenkeln und Waden übernimmt. Nach einer kurzen Aufwärmphase auf den Spinningrädern werden Eisen gebogen und Gewichte gestemmt. Der Abend klingt nach Besprechung und Abendessen bei gemütlichem Beisammensitzen aus. Heute hat Karl-Heinz Petroschka, genannte Pedro, uns zu einer Vernissage eingeladen, und alle sind gekommen. Wir bewundern die Bilder und lauschen seinen Texten. Es gibt Weissbier, Rot- und Weisswein und für fast alle ein frühes Zubettgehen. Morgen ist auch noch ein Tag.

Buena notte Scapezzano,

von PAUL

25.04.2010 (in der Nacht 1:43 Uhr)


Folge 7: Mal was zwischendurch .....

Buena sera aus Scapezzano,

obwohl man ja annehmen könnte, das neben Schlafen, Essen und Radfahren noch ne Menge Zeit bleibt, z.Bsp. zum Tagesbericht schreiben, falsch, dem ist nicht so. Neben meiner freiwilligen Tätigkeit als Mechaniker (jeder, der mich anspricht, bekommt Hilfe, bis ich nicht mehr weiter weiß, dauert nur manchmal länger) ist allerlei Technik zu bedienen. Herzfrequenz- und Tourauswertung sind jeden Abend auszulesen, das Navi muß an den Rechner, um freigeräumt und geladen zu werden. Nach dem Essen ist noch gesellige Runde, die Länge hängt ab von den geplanten Touren am nächsten Tag, wir haben aber auch schon bis eins getagt.

Nach dem ich von vielen Mitfahrern gehört habe, das auch ihre Freunde das Trainingslager auf dieser Seite verfolgen, kann ich mich inzwischen schon über Leserzuschriften, regelrechtes Feedback freuen. Eine supernette Zuschrift bekam ich von Fetti A.Backe, einem austrainierten Athleten aus dem Freigehege Tötensen. Fetti hat beachtenswerte Leistungen, geradezu heroische Meilensteine in seiner hoffentlich lange andauernden Vita zu nennen, darunter den Gewinn der Tour de Mendelpass, ein Rennen der Gran Fondo-Serie, deren Startplätze in einem fünfjährigen Auswahlverfahren ermittelt und und im Zufallsprinzip verteilt werden. Fetti, in den späten Siebzigern zu Zeiten Thuraus schon als Talent gehandelt, konnte durch ein gezieltes Training mit einem maßangefertigten Rad seine idealen Hebel und seinen runden Tritt derart effektiv einbringen, das ein 10 köpfiger Trainerstab aus der alten Leipziger Kaderschmiede Lokomotive Langohr die Betreuung übernahm. Unter einem speziell auf ihn abgestimmten Ernährungsplan war einen weiterer Leistungsschub zu erzielen, der ihn in die absolute Spitze des Ausdauersports katapultierte. Fetti war 9-mal in Folge Langohr-Meister in der Kurzhaarwertung, rasiert sich nicht nur die Beine, und ist ein Vorbild für die Jugend im Süden Hamburgs und Umgebung. Aber nun genug der Worte, seht selbst.

P.S. Fetti, danke für deine positiven Worte, klar fahren wir mal ne Tour zusammen, Fetti, man sieht sich. Ciao ragazzi, Paolo

27.04.2010


Folge 8: Rennbeteiligung .... Urbino .... und Panoramica .....

Buena sera aus Scapezzano,

da hab ich ja mal eben drei Tage aufzuarbeiten, um euch zu Hause mit den letzten Infos zu versorgen.

Am Sonntag hatte das Wetter wieder zu alter Stärke zurückgefunden, und eine kleine Truppe von neben mir drei Fahrern machten sich auf Richtung südöstliches Hinterland. Die Strecke waren wir schon in der Vorwoche gefahren, da hatte ich die Strecke mitgeschnitten, und schon kann man sie nachfahren, schon prima, so ein Navi.

Die Route hatte einen auffällig guten Straßenbelag aufzuweisen, danach sehnt man sich dann schon manchmal bei den zum Teil schwer beschädigten Straßen. Auch deshalb fiel die Wahl auf die Runde um Jesi. Relativ zügig kreuzen wir die Täler, mäßige Anstiege wechseln mit schnellen Abfahrten. Wir gelangen an eine Kreuzung, an der Straßenposten stehen und den Verkehr regeln. Uns kommt die angekündigte Radveranstaltung in den Sinn, ein Jedermannrennen über 140 Kilometer und 1800 Höhenmeter. Stimmt, das war heute. Nachdem wir weitere Kreuzungen passiert haben und feststellen, das uns die Posten freudig und bestimmt den Weg weisen, der auch unserer Route entspricht, sind wir gepannt, was noch passiert. Ein steiler Anstieg führt uns in einen Ort, in dem schon recht viele Zuschauer an der Strecke stehen. Uns wird viel Aufmerksamkeit geschenkt, Fotos werden geschossen, ich führe die Gruppe mit Druck durch die Stadt. Als ich mich umdrehe, sehe ich 100 Meter hinter uns eine vierköpfige Gruppe Rennfahrer, die - etwas professioneller als wir - schnell zu uns aufschliessen. Während ihres Überholmanövers trete ich an, und schwupps, schon sind wir mit Tempo 40 in ihrem Windschatten, raus aus der Stadt, in einer rasenden Abfahrt. Unsere Gruppe bleibt kompakt, aber das Tempo in den Serpentinen ist zu hoch, die Italiener sind heute eine Nummer zu stark für uns. Schnell sind sie uns nach vorne enteilt. Wir fahren weiter zügig , werden bestimmt von Straßenposten geleitet, und im nächsten Ort, während wir um eine langgezogene Linkskurve knistern, erkennen wir in 500 Metern Entfernung das Zielbanner. Meine Gruppe überlässt mir den Sprint um Platz fünf, und so wird Heiko sechster, Siggi siebter und Bernd achter. Wer sagst denn. Wenn wir das gewusst hätten, vielleicht wäre das Podium drin gewesen. Die Stimme übers Megaphon ist laut und ungnädig, nachdem keine Startnummern an unseren Lenkern und Trikots zu erkennen sind, ist der Irrtum aufgedeckt. Wir wollten eh keine Interviews geben, drücken uns an den Absperrungen vorbei und setzen unsere Runde fort. Was für ein Erlebnis.

Am Montag gehen wir mit unserem Guide Carsten auf eine Tour, die landschaftlich großartig und körperlich grenzwertig Zeichen setzt. Aus dem letzten Jahr einigen bekannt, gehört diese Tour in die zweite Woche. Am Ende stehen 153 Kilometer und 2350 Höhenmeter auf den Displays unserer Systeme.

Es geht auf unserer so häufig genutzten Höhenstrasse raus Richtung Südwesten, bevor wir uns mit bis zu Tempo 80 in das angrenzende Tal abschwingen. Bei den Bremsmanövern kurz vorm Kreisel fällt mir dann auf, das es neuer Bremsbeläge bedarf, um die nächsten Tage sicher zu überstehen. Wir queren das Tal, und wieder geht es hoch, auf den nächsen Höhenrücken. In einem Ort, der Name irgendwie was mit "del Piano", biegen wir scharf rechts in den Anstieg ab. Jeder kettet seine Übersetzung und fährt sein Tempo den Berg hinauf. Lange geht es hinauf, Kurve für Kurve, Serpentine für Serpentine.

Auf rüttelnden, wirklich schlechten Strassen erreichen wir Urbino, und kehren auf dem Marktplatz vorm Rathaus für Cafe und Cola ein. Nachdem die Wasserflaschen aufgefüllt und ein Platten behoben sind, geht es weiter, durch steil ab- und ansteigendes Gelände, bevor wir über Aqualagna die Furloschlucht erreichen. Von hier aus geht es auf den uns bekannten Strassen zurück zum Hotel. Sonnenverbrannt und ausgedörrt erreichen wir das Bel Sit, und werden noch mit Kuchen und Kaffee verwöhnt, obwohl das Buffet schon lange vorbei ist. Danke Kirsten !

Bevor morgen wieder Ruhetag ist, wurde heute noch eine Runde angeboten, an der sehr viel mehr Fahrer teilnehmen können als sonst. Wir hangeln uns parallel zur Küste raus in das Hinterland von Fano und Pesaro, die Sonne und die schwüle Luft setzen uns ordentlich zu, der Wasserbedarf ist enorm. Nach sechzig Kilometern füllen wir unsere Flaschen an einem Supermarkt auf. Der Anstieg auf unsere so geliebte Höhenstrasse ist dann mal wirklich steil, der Belag rauh und löchrig, und es zieht sich, bis die Höhenstrasse 120 Meter über dem Meer erreicht ist. Nach einem kurzen Warten auf alle Gruppenteilnehmer geht es weiter zur Cappuccino-Pause, ein hübsch liegendes Cafe mit Valentino Rossi und Marco Pantini Bildern an der Wand. Es wird etwas kühler und wir schützen und mit Westen und Armlingen.

Es wird wieder heller, und unser Weg führt uns weiter nach Pesaro, das wir über steile und schnell zu fahrende Serpentinen erreichen. Durch Pesaro führt uns ein blau markierter Radweg, und schon sind wir auf der Küstenstraße, mit Rückenwind und Druck in den Beinen. Schnell hängen bei uns auch noch "fremde" Radfahrer dran, zwei Italiener lassen aber abreissen, als Gunther sein Feuerwerk mit Tempo 43 km/h abbrennt. Fano, Senigallia, Scapezzano, auf bekannten Routen erreichen wir unser Hotel noch zum Buffet, und schlemmen unsere verlorenen Kalorien wieder rein. 1500 Höhenmeter und 130 Kilometer verzeichneten heute die System.

Buena notte, Paolo

28.04.2010 um 1:45 Uhr


Folge 9: Ein ausgefüllter Tag .....

Bon giorno aus Scapezzano,

die vierzehn Tag Trainingslager neigen sich dem Ende. Nach einem sommerlichen Ruhetag, an dem auch ich mal keine Lust auf Sport hatte, hatten wir gestern noch einen Höhepunkt zu feiern, der schon lange in der Planung war und bei bestem Wetter umgesetzt werden konnte. In der Nachbarprovinz Emilia Romagna wird jedes Jahr eine Radveranstaltung durchgeführt, die "Nove Colli" , neun Hügel. Diese Untertreibung ist insgesamt 200 Kilometer lang und hat in der Summe 3650 Höhenmeter. Es gibt noch eine kürzere Version, den "Cinque Colli" mit, richtig, fünf Hügeln. Die Strecke ist ausgeschildert und allgemein in Karte und Navi verzeichnet, kann also auch neben dem Veranstaltungstermin gefahren werden. Dies war unser Plan.

So war am gestrigen Tag für insgesamt zehn Mutige frühes Aufstehen und kurzes Frühstück angesagt, gegen 7.20 Uhr saßen wir im Auto zum Start. Fünf Fahrer gingen auf die kleinere Tour, fünf incl. meine Wenigkeit auf die große.

Wir sind mit guten Straßen, sehr wenig Autos und bestem Wetter, das auf eine durchweg sattgrün eingefärbte Emilia strahlte, belohnt worden. Nach neun Stunden Fahrzeit waren wir zurück am Auto, und gegen halb zehn saßen wir wieder im Hotel beim Abendmenue, das für uns strahlende, aber auch müde Radfahrer extra noch aufgehoben worden war.

Die Strecke von Paul aufgezeichnet (Vorsicht große Datei):

 

 


Paul, Rad-Gemeinschaft-Wedel e.V., 30.04.2010