Vom Elbtunnel in den Englischen Garten - Tour der
Leiden.
Naja, zum Teil.
Wir sind nur Hobbyradler. Zwar
welche mit Rennrad, aber nur Hobbyradler. Bernd, dessen 66. Geburtstag den
Beginn unserer Deutschland-Tour markiert, ist immerhin mit mehr als 5.000 km
jährlich auf dem Rennsattel ein ernstzunehmender Radler. Ich, 36, bin beruflich
dazu verdammt, am Schreibtisch zu hocken. Auch mal länger. Job und Familie
machen es schwer, weit über 1.500 km auf dem Rad zu kommen.
Aber wenn man sich auf die Reise
macht mit dem Rad, mit kleinem Gepäck, ohne touristischen Eifer und mit einem
strammen Streckenplan, dann ist es halt schon so, dass man nach spätestens der
zweiten Etappe in einer Art Paralleluniversum angekommen ist. Ganz egal, was in
der Weltpolitik passiert. Welcher Wochentag ist heute? Who cares! Alles, was
interessiert ist: das Frühstück, die Antizipation der Strecke, der Respekt vor
dem Berg. Beim Cremen der Hose und Einsteigen steigt der Puls schon auf 110
bpm. Dann auf den Sattel. Fahren. Weg suchen, Karte lesen. Fahren. Fahren.
Die Strecke war schön. Aber auch echt bergig.
Harz, klar, den hatten wir einkalkuliert. Aber wer kennt schon das Ohmgebirge?
Den Hupstädter Wald? Und der Rennsteig ist halt schlicht und einfach steiler
und fieser als der Harz.
Beim Wetter hatten wir Glück. Erster Tag Regen.
Doch dann von Tag zu Tag heißer, immer über 30°C im Schatten. Aber wo haben wir
schon Schatten? Ach ja: in Thüringen gibt es mittags keine offenen Gaststätten
und die Supermärkte dort schließen von zwölf bis drei.
Gepäck:
Rucksack, ca. 5 kg / Satteltasche, 1,4 kg /
Trikottaschen voll
|
Etappe |
Länge in km |
Höhenmeter |
Dauer in h |
kcal |
Start und Ziel |
Schwierigkeiten |
|
1 |
131 |
695 |
05:51 |
4.500 |
HH - Celle |
|
|
2 |
115 |
650 |
05:15 |
3.600 |
Celle - Goslar |
|
|
3 |
115 |
1.960 |
05:30 |
3.400 |
Goslar - Mühlhausen |
Harz, Ohmgebirge |
|
4 |
94 |
1.200 |
04:51 |
2.850 |
Mühlhausen - Ilmenau |
Thüringer Wald |
|
5 |
113 |
1.300 |
06:15 |
3.700 |
Ilmenau - Bamberg |
Rennsteig, Franken |
|
6 |
108 |
1.100 |
05:35 |
3.000 |
Bamberg - Neumarkt |
Fränk. Schweiz |
|
7 |
83 |
350 |
03:40 |
1.800 |
Neumarkt - Kelheim |
|
|
8 |
115 |
820 |
05:21 |
2.700 |
Kelheim - München |
|
|
Summe |
874 |
8.075 |
42:18:00 |
25.550 |
|
|
 
 
Road kill: 4 Igel, 1 Taube, 1 Katze
Es hat sich als richtig erwiesen, die Unterkünfte
vor Antritt der Reise zu buchen, da man nach 5-6 Stunden im Sattel am
Ankunftsort keine Lust mehr verspürt, noch lange nach einer passenden
Unterkunft zu suchen. Gasthäuser, Pensionen und kleine Hotels entnahmen wir dem
„Bett und Bike“-Verzeichnis des ADFC. Diese Häuser bieten dann auch stets eine
Unterstellmöglichkeit für die Räder.
Etappe 1 – Monsun in der Nordheide
Hamburg – Celle
Puls avg 160 / Mx
180 / In =
3 Bidons, 1
Riegel, 1 Suppe
Ärmlinge, Knielinge, Regenjacke, Überschuhe,
Kappe
Bei der Abfahrt an den Landungsbrücken herrscht
Hamburger Schietwetter: Nieselregen, grauer Himmel, 16°C. Wir lassen uns von
drei Japanerinnen vor der Hafenkulisse photographieren , schnell
noch eine Aufnahme mit Selbstauslöser im Elbtunnel
– und ab
geht’s. Auf der südlichen Elbseite fahren wir zunächst über Kopfsteinpflaster,
der ganze Hafen hat viel Atmosphäre, denn die Bilder von Containern und
brachliegenden Lagerhallen werden ergänzt durch den Geruch von Diesel und Kaffee.
Der Weg aus Hamburg heraus ist gekennzeichnet durch viele Richtungswechsel und
einige kleine Anstiege. Hinter Harburg verfahren wir uns geringfügig, aber hier
lässt sich ein verpasster Abbieger leicht kompensieren, da das Straßennetz eng
ist. Fünf Kilometer mehr oder weniger werden den Braten schon nicht fett
machen.
Als es ländlicher wird und die Richtungswechsel
weniger, wird der Regen stärker. Es kommt zu monsunartigen Wolkenbrüchen und
der Wind frischt stark auf. Ich bin froh über meine letzten Anschaffungen: die
Knielinge und die super-leichten Überschuhe.
Unterwegs in Jesteburg ein erster Riegel gegen
den heftig aufkommenden Hunger. Puls 177 ist mein stetiger Freund geworden.
Kurz vor 70 km kommen wir in Bispingen an. Der Regen hat einiges an Kraft
gekostet, außerdem mein Übermut und die Umstellung vom Sesselpupsen auf
Sporturlaub. Nie hat eine Bohnensuppe so gut geschmeckt, und auch der Kaffee
mit viel Zucker gibt ein paar Körner und viel Motivation zurück.
Allerdings ist die Heide nicht flach, zumindest
für so einen Flachländer wie mich, der eigentlich nur in der Haseldorfer Marsch
fährt. Und so bin ich nach 90 km schon wieder platt. Der Regen
lässt nach, nur noch gelegentlich Schauer und dann wird es trocken. Photo vor
einer Wietzendorfer Bäckerei, die noch einen Sinnspruch aus anderen Zeiten
präsentiert: „An deutscher Kraft zerschellt die Not, aus deutschem Korn wird
deutsches Brot.“ In der Stadt Bergen finde ich ein Kaffee, ordere zwei
Cappuccini. Zwei ältere Herren an den Tischen fangen ein Gespräch an mit Bernd
und mir. Erschreckt stellen Sie fest: verflixt, der Kräftigere der beiden
Verrückten, die nach München fahren, der ist ja älter als wir!
Trotz Kaffee geht nicht mehr viel bei mir. 3
Bidons und 1,5 Riegel sind zu wenig für mich. Ab Kilometer 110 lege ich mich
bei Bernd aufs Hinterrad und wir rollen den öden Radweg an der Bundesstraße
nach Celle. Berni drückt lässig und verlässlich das große Blatt.
Die Pensionswirtin, Frau Dreyer, empfängt uns
herzlich. Zunächst waschen wir die Räder mit dem Gartenschlauch ab, dann dürfen
wir unsere durchnässte Kleidung bei ihr in die Wäsche geben, nur die Hosen
behalten wir, da wir nicht wissen, ob sie rechtzeitig trocken werden. Das
Zimmer ist seinem Namen nach eingerichtet – Puppenstube –, aber ordentlich.
Während Bernd und ich auf ein
Weissbier in die Fußgängerzone gehen und anschließend im La Buca
(italienisch für Kellerlokal aber auch für Schlagloch – hoffentlich kein
schlechtes Omen) an der Aller zu Abend essen, wird unsere Sportkleidung zum
Trocknen auf die Leine gehängt. Nach Antipasti, Nudeln, Tiramisu, Weissbier und
Grappa sind wir gestärkt und kehren heim in die Herberge, wo wir unsere schon
trockene Kleidung vorfinden. Super Service.
Bestandsaufnahme in der Unterkunft: Waden etwas
müde, aber der Quadriceps und vor allem die ansetzende Sehne Richtung Hintern
ist ziemlich verhärtet. Mir schwant Übles für die nächsten Tage, ich erinnere
mich an die Tagebucheinträge von Robert Förster, dem die bevorstehenden
Bergetappen auch stets einige Sorgen bereiten. Der Fernseher läuft im
Hintergrund (irgendein commissario), ich inspiziere Profil und Wegpunkte des
Folgetages, Bernd schläft ein beim TV.
Sonntag,
Celle – Goslar
Puls avg 139 / Mx
182 / In =
4 Bidons, 1 Riegel, 1 Mars, 1 Wurstmahlzeit
kurz
Mit wärmender Sonne beginnt unsere heutige Etappe
und kurz nach Mittag erreichen wir Temperaturen von 30°C – ein extremer
Wetterwechsel für uns. Bis Peine ist unsere Fahrt recht ereignislos, es ist
flach und nur der Wind aus Süden (!) steht einem flotten Vorwärtskommen etwas
entgegen. In Peine halten wir an der Tanke, füllen die
Bidons, die wir wegen der zunehmenden Hitze schon geleert haben und essen ein
Mars. Kurz darauf müssen wir streckenmäßig umplanen, denn die Hochbrücke ist
für Radfahrer gesperrt. Dann, kurz hinter Peine, kommt der Harz in Sichtweite
und wir fragen uns, wie uns das Gebirge wohl bekommen wird – insbesondere mit
Zusatzgewicht auf dem Rücken.
Passenderweise wird das Gelände jetzt auch
welliger. Die Sonne knallt, die Weizenfelder sind grellgelb – alles sehr schön
und sehr anstrengend. Der Schweiß fließt in Strömen. In Söhlde versucht ein
dicker etwas schlichter Mann, der in der Mittagshitze geht („Ich muss
abnehmen.“), uns eine Gaststätte zu weisen. Leider erfolglos. Wir fahren also
weiter über Lesse („Gehen Sie nisch
in Paradiso, isse schleschte
Café“) nach Burgdorf-Bahnhof, der Routenplaner schickt uns dann nach Hohenassel – er will wohl, dass wir noch mal 50 Höhenmeter
sammeln, obwohl das eigentlich unnütz ist. Wir sind zur Zeit
eher auf deren Vermeidung aus, denn wer weiß, was noch kommt. In Westerlinde,
nahe Salzgitter, sind wir überrascht, dass von Industrie gar nichts zu sehen
ist. In der Nähe der Autobahn hocken wir uns kurz unter einen Baum, essen einen
Riegel, Kappe ab und weiter geht’s.
Den ersten echten Höhenzug, der auf unserer
Strecke vor uns liegt, umfahren wir plangemäß Richtung Westen; es handelt sich
um die Lichtenberge, einen Teil des Salzgitter-Höhenzugs. Gasthöfe finden wir
in Wartjenstedt nicht, aber Bernd hat Hunger. Also fahren wir in Rhede an der
Innerste rechts ran, als er eine Gaststätte sieht, die ihre besten Tage wohl
erlebte, als die Autobahn noch nicht gebaut war und die heute, um Bernd zu
zitieren, dem Tode geweiht ist. Die Wirtin ist Bernd altersmäßig locker
überlegen, aber zwei Bratwürste und zwei alkoholfreie Pils bringt sie zustande.
Richtung Baddeckenstedt und Heere geht es über
die Innerste und dann immer mehr oder weniger an ihr entlang. Zwei ordentliche
Ausläufer des Hainbergs müssen wir Richtung Upen mitnehmen, es wird welliger.
Unten an der Innerste dann Phototermin auf einem Privatweg bei Posthof, als der
Brocken gut erkennbar ist. Wie der wohl zu fahren ist, dieser
Harz...
Der Rest des Weges verläuft ohne erkennbare
Steigung, aber wieso fahren wir dann die letzten 15 km so langsam? Harmloser
Daueranstieg von ca. 2%. Direkt in Goslar, 500 m vor der Pension wird es dann
alles andere als harmlos. Die Straße ist am Rand des Harzes geführt, für 200 m
geht es mit 14% bergauf, der Puls rast auf 182. Mein Handy klingelt, und ich
Depp fahre rechts ran, denn meine Frau ist ja hochschwanger. Nichts
wesentliches, zum Glück.
Wenige Meter weiter liegt unser Hotel garni an
der steil Richtung Innenstadt führenden Doktorswiese. Der Empfang hier ist bei
weitem nicht so herzlich, eher professionell. Die Wäsche? Waschen geht nicht.
Aber man könne man sie doch im Bad trocknen – na ja, später erinnert man sich
doch an die Haken im Fahrradschuppen im Garten, in den ja auch die Räder
kommen. Das Zimmer ist renovierungsbedürftig, ohne schmutzig zu sein, aber es
finden sich zwei Flaschen Pils im Kühlschrank. Sehr gut, denn die Muskeln der
Oberschenkel sind sauer und leicht verhärtet. Und wir stellen beide fest, dass
unser Puls den Tag über schon mindestens 10 Schläge niedriger war als üblich,
er geht – mit Ausnahme von Extremsituationen wie den 14% – gar nicht mehr
richtig hoch.
Nach der Dusche geht es in die Innenstadt, essen
mit bestem Blick auf den Großbildfernseher (EM-Finale, leider weniger
genussvoll) direkt an der Kirche örtliche Spezialitäten. Bernd wundert sich,
dass ich so viele davon essen kann – das kennt er sonst nicht. Im Hotel:
Vorbereitung des folgenden Tages und schlafen!
Montag,
Goslar – Mühlhausen in Thüringen
Puls avg 145 / Mx
182 / In =
4 Bidons, 1 Riegel, 1 Stück Kuchen
kurz, leicht; Ärmlinge gegen Sonne
9,6 km/h – so langsam kann man bergauf Rad
fahren, ohne runterzufallen! Aber alles der Reihe nach ... Der Respekt vor dem
ersten langen Anstieg, der nur 500 m von unserem Hotel beginnen soll, und dem
insgesamt auffälligen Profil ist groß. Der Hunger ist daher klein und bleibt es
auch, da das Frühstück mau ist, Brötchen hart. Um dennoch ein paar
Kohlenhydrate zur Verfügung zu haben, esse ich zwei kleine Portionen Honig. Kaffee
ist aus den bekannten Gründen sowieso zu trinken.
Wir schieben die Räder 30m zum Ende unserer
Straße hinauf und steigen auf – 500 m treten wir locker bergab und dann geht es
die B 241 hinauf nach Clausthal-Zellerfeld. Glücklicherweise ist die Luft noch
frisch und die Straße in weiten Teilen beschattet. Ich gebe das Tempo vor,
gleichmäßig fahren wir den Berg hinauf, anfangs mit 14 km/h, später um die 12
km/h. Auch der leichte Gegenwind stört nicht. Frohgemut kommen wir in Clausthal
an, da diese 10 km lange Steigung wirklich überraschend gut gelaufen ist.
Natürlich haben wir ein paar Körner verbraucht, aber der Anstieg war moderat
und recht gleichmäßig (geschätzte 6%). An der Tankstelle erhöhen wir den Druck
unserer Reifen und weiter geht es auf dem Bergrücken, leicht wellig, bis dann
die Abfahrt nach Osterode naht. Wir prüfen den Zustand der Reifendecken, entfernen
jeder einen scharfen Stein, der sich eventuell durchdrücken könnte und fahren
dann mit bis zu 72 km/h das 10%ige Gefälle hinab.
Durch Osterode folgen wir den Anweisungen des
Routenplaners, also müssen wir entgegen dreier Einbahnstraßen rollen / schieben,
aber es läuft flott nach Herzberg, Pöhlde, Rhumspringe. Nur unser Magen knurrt
und wir finden keine Gaststätte – ehemaliges Zonenrandgebiet! Das Problem
unterschätzen wir zunächst. Ein anderes Problem ist, dass ich mir am gestrigen
Sonntag einen ordentlichen Sonnenbrand auf den Oberarmen zugezogen habe. So
fahre ich jetzt bei strahlender Sonne und Temperaturen um 30°C die ganze Zeit -
sogar bergauf - mit meinen Ärmlingen.
Hinter Hilkerode überfahren wir die Landesgrenze
von Niedersachsen nach Thüringen und kommen in das Dorf Zwinge. Ein junges
Ehepaar mit zwei Kindern erklärt uns, dass es hier nirgends Gasthöfe gibt,
nein, nicht einmal einen Supermarkt. Das Angebot der jungen Frau, uns Wasser zu
geben, lehnen wir leichtsinnigerweise ab. Sie würde gerne ihre Kinder gegen
unsere Fahrräder tauschen. Denn die beiden sind schon von Trier nach Barcelona
geradelt und sie allein auch schon an einem Tag von Köln nach Zwinge. Respekt.
Weiter geht es nach Jützenbach, wo wir Glück haben, dass im Vereinsheim gerade
die Reste der nächtlichen Feier beseitigt werden. So bekommen wir Wasser für
unsere Bidons und ein paar Informationen über den bevorstehenden Sonnenstein –
so heißt der nächste Berg.
Der Sonnenstein gehört zum Ohmgebirge, das wir
vorher nicht kannten: es ist recht klein, man hätte es auch umfahren können.
Vergessen werden wir es nicht mehr, denn jetzt fahren wir hoch zum Sonnenstein,
für uns sind 486 m (üNN) wieder recht viel. Oben gibt
es einen schönen Blick, trotz Abraumhalde. Es folgt eine kurze
Senke und ein knackiger 10%-Anstieg, den wir meistern, dann geht es bergab, und
das macht wieder Spaß. Unten angekommen ziehen wir die Westen aus und essen in
Worbis ein Stück Kuchen mit warmem Weißbier (alkoholfrei). Gewöhnungsbedürftige
Mischung, aber wir brauchen Energie. Für den hübschen Ort haben wir leider
keine Zeit, denn wir wollen ja noch nach Mühlhausen. Und laut Profil steht uns
noch ein Zacken im Wege.
Wenig später haben wir den Gegner identifiziert:
es ist der Hüpstedter Wald, ein Teil vom Dün. Von Rüdigershagen geht es
2-3 km steil auf ca. 490 m hinauf. Berni muss kämpfen. Dann
hinunter ins Thüringer Becken, dessen Böden zu den fruchtbarsten Deutschlands
zählen. Und wieder strahlen Sonne und die gelben Getreidefelder um die Wette.
Müde rollen wir nach Mühlhausen hinein.
Dort angekommen steht uns der Sinn nach
Entspannung. Und nach einem Sitzplatz, der uns die Sitzprobleme und die zähen
Beinmuskeln vergessen lässt. Zum Glück hatten wir eine Massage gebucht – und
der ehemalige Box-Champion von Brandenburg im Halbschwergewicht knetet unsere
Beine ordentlich durch. Nichtsdestotrotz haben wir keine Lust mehr, uns in
Richtung Innenstadt zu bewegen, denn den Hintern wollen wir nicht auf den
Sattel setzen. Ein bisschen Obst gekauft, ein bisschen Fernsehen, wir nehmen
noch einen Absacker an der Bar. Irgendwie verspricht das Profil für morgen auch
wieder Wellen, aber en detail planen wir die Route nicht mehr.
Dienstag,
Mühlhausen in Thüringen – Ilmenau
Puls avg 139 / Mx
186 / In =
3 Bidons, 1 Cola, 1 Riegel, 1 Knackwurst
kurz, leicht; Mütze wegen Sonnenschutz; Ärmlinge
gegen Sonne
Trotz sengender Hitze (schon um
Wiederum Getreide, Sonne, Hitze. Am Rande des
Hainich fahren wir Richtung Südost, bis wir in Weberstedt einen Radler treffen,
der wohl schon im Jugend-A-Team gefahren ist. Durch den welligen Nationalpark,
vorbei am Baumgipfelpfad, und dann wieder in die baumlosen Gebiete. Hitze – und
wieder keine Gaststätte, kein Supermarkt. Der vorletzte Riegel, also sparen wir
den letzten für morgen – wir hätten mehr einkaufen müssen. Mit viel Glück
finden wir in Tüngeda einen „Getränke-Keller“, der
vom bissigen Hund bewacht wird. Nach unserem Dafürhalten ist das eigentlich ein
Partykeller – aber die Inhaberin hat frisches Wasser da. Und eine Cola. Wovon
die Leute hier leben, wenn nicht von der Landwirtschaft, fragt Berni. Hartz 4,
ist die Antwort. Na denn, nix wie weiter.
Die Gothaer Altstadt lassen wir links liegen und
kommen wieder durch die kleinsten Dörfer. In Petriroda gibt der Hahn sein schönstes Kikeriki von sich, als wir vorbeiradeln.
Vielleicht war das seine Warnung, dass jeder kurze Anstieg hier wirklich eine
Rampe ist – nicht lang, aber immer über 8%. Und so sind wir nach all den
kleinen Stichen extrem erfreut, als wir in Ohrdruf eine sehr, sehr schlichte
Kneipe finden. Eine Wurst gibt es namens Thüringer Knacker – so in etwa wie die
Kochwurst, die bei uns daheim zum Grünkohl gereicht wird, schmeckt sie. Der
Wirt ist beeindruckt von unserer Tour und warnt uns vor dem Anstieg Richtung
Wölfis. „Da müsst Ihr absteigen“ sagt er. Die Mauer von Wölfis (Wölfiser
Straße) ist beeindruckend. Ungefähr so steil wie der Waseberg, der steile Teil ein
gutes Stück länger und zur großen Freude auch noch mit Kopfsteinpflaster. Angespornt
von der Warnung des Wirts schaffe ich es hinauf, Plus 186.
Weiter über Crawinkel,
Frankenhain, Gräfenroda – und dann kommt eine Frechheit: eine ganz neu gebaute
Schnellstraße (B 88n / Ilmenauer Straße), beinahe geradeaus den Berg hinauf,
10%, 100 Hm, dann rechts auf eine kleine Straße (Gothaer Straße), weiter
bergauf, zusammen fast 2 km (?), Puls 184, dann steil runter nach Geschwenda
und direkt wieder 60 Hm bei ca. 10% bergauf nach Geraberg. Anschließend
wellig, aber parallel zum Höhenzug hinein nach Ilmenau.
So eine Anhäufung von steilen
Kanten habe ich auch in der Passauer Umgebung noch nicht erlebt. Wir sind
wirklich geschafft – und die Angaben des Pulsmessgeräts bringen mich zum
Lachen: keine 3.000 kCal – nun gut, das hat er mittels der Pulsraten errechnet.
Aber diese Berechnung ist nicht ernst zu nehmen. Gerade mal 15 Minuten oberhalb
von dem Pulsbereich, der üblicherweise dem Training meiner Grundlagenausdauer
dient. Aber die eine Stunde, die ich in diesem Bereich verbracht habe, entspricht
dem Entwicklungsbereich. Denn infolge der sich summierenden Erschöpfung geht
der Puls nur noch bei den Anstiegen in den „Grundlagen“-Bereich. Über 160
Schläge pro Minute schaffe ich nur noch bei den wirklich starken Anstiegen –
10% und mehr.
In der Pension Melanie genehmigen wir uns nach
eher kühler Begrüßung durch den Hausherren das zum Glück noch kühlere Pils aus
dem Hotelkühlschrank. Wieder einmal sind Bernd und ich trotz erster Bierkühlung
hocherhitzt, das Zimmer auch und so kriechen wir an den Schmetterlingskästen im
Treppenhaus vorbei und durch die Hitze hinunter in die Stadt, um Geld und Essen
zu beschaffen.
Sind es die Nerven, die Anspannung vom heutigen
Tage oder die Unterversorgung mit Nahrung? Jedenfalls kriege ich Magenkrämpfe.
Aber zum Glück bietet der kleine Biergarten in der Fußgängerzone Thüringer
Würste (grob, lecker) an, die ich mir mit Spaghetti kombinieren lasse. Der
halbe Liter Bier kommt zu 1,80 Euro. Da testen wir die örtliche Spezialität,
zumal wir „Bergfest“ feiern können, aber ich bleibe eher beim Radler.
Es geht gen Pension, Fenster voll auf,
Telephonieren mit der Heimat auf dem Fensterbrett und nur in Boxershorts. Der
Schlaf aber ist unruhig, Thüringen und wir sind überhitzt.
Mittwoch,
Ilmenau – Bamberg
Puls avg 140 / Mx
191 / In =
4 Bidons, 2 Radler und 1 Cola / Weizen unterwegs,
1 Riegel, 1 Baguette
kurz, leicht; Mütze wegen Sonnenschutz; Ärmlinge
gegen Sonne
8,5 km/h und dann die Schmach: ich muss
absteigen. Das nennt man einen schlechten Start: von der Pension rollen wir nur
400 m zum Supermarkt, füllen die Bidons, fahren 200 m und dann geht es in
den Rennsteig. Die Steigung (den „Waldweg“ hoch) ist anfangs tolerabel, aber
nach gut 1 km heißt uns das Schild „12 %“ im Vorhof der Hölle willkommen.
Kiekelhahn nennen sie die Ecke hier. Eine Qual. Zunächst 500 m geradeaus. Ich
schaffe es, den Mähwagen zu überholen und fahre um die Kurve herum. Puls 184.
Dann sehe ich zu meinem großen Schrecken, dass es weiterhin steil ist. 200 m
weiter geht noch - aber hinter dem Abzweig zur Bobbahn muss ich absteigen.
Schuhe aus, schieben - und ärgern. 300 m weiter kommt ein Parkplatz, wo ich auf
Bernd warte – er hat sich schon früher als ich weise entschieden, zu schieben.
Nach kurzem Gespräch wieder Schuhe an und dann versuche ich, weiter zu fahren –
und jetzt geht es. Nur noch ein paar hundert Meter, dann ist das schlimmste
geschafft.
Oben in Neustadt am Rennsteig angekommen trinken Bernd und ich Cappuccini. Bernd beschließt, denn Rennsteig in
Gehsteig umzubenennen. Ich ziehe Energie aus einem Rennsteigstein (eine Art
Granatsplitter – kalorische Granate, würde ich sagen), während der Inhaber in
bester Manier eines Jammerossi darüber lamentiert, dass man früher in der DDR
wenigstens die 5-Jahres-Pläne hatte, während sich heute täglich alles ändert.
Wir brechen auf und finden die Wellen auf dem
Rennsteig erträglich, zumal der Wald uns vor der Sonne schützt. Sebastian Lang
(Gerolsteiner) fährt vorbei wie ein Moped und wirft uns ein kurzes „Höj“ zu. Locker sitzt der auf seinem Bock. Ich versuche, in
Imitation von Jens Voigt (flach auf den Lenker mit den Unterarmen, sichtbares
Ruckeln im Oberkörper bei jedem Tritt) nur ein klitzekleines Stück
dranzubleiben. Gar nicht dran zu denken. Was dachte ich mir dabei nur?
Schließlich fährt er doch in 4 Tagen bei der Tour de France, nicht ich. Ein
älterer Rennfahrer, der von einer Seitenstraße aufkommt, klärt die Sache –
Seppel wohnt hier in der Nähe und will sich den Ärger über die verpasste
Olympia-Quali aus den Beinen fahren.
Als wir glauben, den Rennsteig hinter uns
gelassen zu haben, zeigt der Thüringer Wald uns, dass er doch nicht so klein
ist. Bei Kahlert hinunter nach Gießübel, dann wieder von 540 m hoch auf
740 m und durch den Ort Heubach hinab ins Tal. Die Abfahrt durch Heubach
ist erschreckend. Abfahrt von 740 m auf 560 m und gefühlte 15% steil – wir
müssen dauernd bremsen. Der arme Kollege, der uns entgegen kommt, hat einen
knallroten Kopf und kurbelt auf etwas herum, das wie eine Übersetzung für
Mountainbikes aussieht. Weiter durchs Tal, aber hinter Einsiedel müssen auch
wir noch einmal bergauf – nach Waffenrod, wieder bei 700 m.
Nun aber endlich raus aus dem Thüringer Wald.
Kurz hinter Eisfeld setzen wir uns – erschöpft, erhitzt und durstig – 15
Minuten in eine Unterführung unter der A 73. Ein älterer Herr erscheint auf
einem quietschenden Rad – er erklärt, er sei 76 Jahre alt und müsse ins nächste
Dorf. Dann gibt er uns Tips für die Weiterfahrt. Als der Mann verschwunden ist,
äußert Bernd (zum ersten und einzigen Mal auf der Tour) die Sorge, wir könnten
es heute eventuell nicht ins Etappenziel (Bamberg) schaffen: nicht nur, dass
wir entkräftet sind – es ist extrem heiß und auch schon nach zwei Uhr.
Dennoch machen wir uns auf die Strecke:
Herbartswind, parallel zur Autobahn, dann nach Mirsdorf. Ich höre zum ersten mal ein Knarzen an meinem Rad, vermutlich vom vielen
intensiven Fahren im Wiegetritt – Nabe oder Lenkkopflager? Außerdem ist die
Radhose, die ich seit gestern trage, offensichtlich kürzer als jene der ersten
Tage – Sonnenbrand nun auch auf dem Oberschenkel. Also auch noch die Knielinge
an, die Ärmlinge trage ich ja eh.
Weiter geht es nach Meeder; wegen der dortigen
Baustelle auf der Dorfstraße fahren wir über zwei Bauernhöfe und Splitwege.
Unten in Wiesenfeld suchen wir eine Gaststätte – ohne Erfolg. Beim Bauernhof
kriegen wir immerhin etwas Wasser für die Bidons. Dann geht es wieder etwas
hoch, in Weidach hocken wir dann enttäuscht vor einem weiteren geschlossenen
Gasthof. Ich rufe beim Hotel in Bamberg an und kündige an, dass wir später
kommen. Ob wir denn vor zehn Uhr kämen? Ja, das nehmen wir wohl an. Und zum
Glück finden wir 2 km weiter ein Café, wo wir heißhungrig Cola bzw.
alkoholfreies Weizen und jeder ein Baguette essen.
Über Scheuerfeld, Schorkendorf, Eicha,
Witzmannsberg (mit schöner Rampe direkt vorm Altersheim – die Damen feuern uns
an) geht es nach Seßlach, das „oberfränkische Rothenburg“ mit erhaltener
Stadtmauer und schöner Altstadt. Hinter dem Stadttor erklärt uns ein
gärtnernder Rentner, wie wir die verbleibenden 30 km am besten nach Bamberg
kommen. Ab hier können wir – die Hassberge rechts neben uns lassend – die
Rodach entlang nach Itzgrund fahren. Und von dort aus ist es eben. Der Radweg
entlang der B 4 ist wirklich sehr schön asphaltiert. In Kaltenbrunn-Itzgrund
bei brauerei-schleicher.de trinken wir 4 Radler, es schaut eine
Bangladeschi-Familie beeindruckt zu, wie schnell man diese Getränke doch
trinken kann.
Als es sich 20 km vor Bamberg zuzieht, genieße
ich es, endlich die Ärmlinge abzulegen. Was für eine Erleichterung, endlich
Belüftung! Hauptsache, das Gewitter, das wir sehen, lässt uns in Frieden. Auf
dem Radweg können wir endlich wieder etwas Tempo fahren – zum ersten Mal seit
Tagen (mit Ausnahme der Abfahrten) wieder 28 km/h und mehr!
In Bamberg kommen wir mit den ersten Tropfen an
beim Gasthof und Hotel Wilde Rose, leider ohne Wasch- oder Trockengelegenheit
für die Kleidung– dafür stehen die Räder im Küchenkeller. Nach Test des Biers
in der Wilden Rose essen wir dann im Spezialkeller auf dem Stephansberg mit
wunderschönem Blick über Bamberg. Hin und zurück mit dem Taxi, ist doch wohl
klar. Nur weil das Hotel direkt in der Innenstadt liegt, laufen wir noch
schnell zum Schlenkerla auf ein Rauchbier. Kurze Planung für den nächsten Tag.
Schlechter Schlaf wegen Hitze und lärmender Studenten.
Donnerstag,
Bamberg – Neumarkt in der Oberpfalz
Puls avg 126 / Mx
180 / In =
5 Bidons, 1 Riegel, 1 Gel, 1 alkoholfreies Bier,
Obatzda und Wurst
kurz, leicht, Netzunterhemd; Mütze wegen
Sonnenschutz
Noch in Bamberg kaufe ich endlich einen
Lippenschutzstift und Sonnencreme jeweils mit Sonnenschutzfaktor 50+, um ohne
Ärmlinge fahren zu können. So sind wir um
Zunächst hoch nach Rettern und wieder hinab nach
Weilersbach, wo es einen Hinterhofgaststätte gibt, die weiter außerhalb auch
einen eigenen Keller hat. Wir genießen ein alkoholfreies Weißbier und nach den
schlechten Erfahrungen der Vortage fülle ich die Bidons am Wasserhahn auf. Wir
durchfahren das Tal der Wiesent nach Kirchehrbach, wellig über Dietzhof,
Mittelehrenbach. Hinter Oberehrenbach wartet ein Killer-Anstieg hinauf zur
Kapelle, Richtung Kasberg. Gut 120 Höhenmeter, ca. 1 km Länge, laut
Straßenschild 10% Steigung. Nachdem der Abschnitt gemeistert ist, hocke ich
mich in die Kapelle, sinniere. Berni kommt etwas später auf dem
Gipfel an, er entledigt sich seiner Schuhe, des Trikots, ziemlich erschöpft.
Wir
fahren dann auf dem Plateau weiter, ehe wir uns von 550m wieder hinab ins Tal
stürzen, wo auf 400 m der Ortskern von Gräfenberg, Tor zur fränkischen
Schweiz liegt. Wir freuen uns, einen kleinen Gasthof zu finden, der, wie wir
später feststellen, zu einer familiengeführten Brauerei gehört. Im Lindenbräu
essen wir jeder eine echt fränkische Bratwurst und teilen uns einen Teller
Obatzten, dazu ein alkoholfreies Bier. Bidons werden eh aufgefüllt. Als wir gehen
wollen, fragt uns der Chef, ob wir noch fünf Minuten Zeit haben. Klar haben
wir, denn er will uns durch die Brauerei führen. So etwas gibt es heute nur
selten, eine Drei-Mann-Brauerei, die Kupferkessel alle von 1932 – und etwas,
das man heute fast gar nicht mehr sieht: die Würze wird hier noch an der
offenen Luft ausgeschlagen. 3.500 l malziger Flüssigkeit mit einer Temperatur
von mehr als 80°C ergießen sich in einen großen, genieteten Kupferbottich von
ca. 40 cm Höhe. Und im Nu steigen Luftfeuchte und Lufttemperatur unter dem Dach
erheblich an. Zur Abkühlung dürfen wir uns auch den Gärkeller anschauen. Und
sogar an der Weißbierhefe riechen – lecker nach Banane, finde ich. Ja, meint
er, es gibt zwei Geruchsrichtungen bei der Weißbierhefe: die fruchtige und die
rosige. Genug gesehen. Der Chef gibt Tips zur Weiterfahrt und dann dürfen wir
uns wieder gut 100 Höhenmeter hinaufziehen. Immerhin – bergauf spürt man das
Gesäß nicht so sehr.
Auf dem Plateau angekommen geht es weiter nach
Lilling und von dort grandios über mehrere Kilometer bis nach Simmelsdorf nur
noch bergab. Vorbei an Schnaittach, Speikern und über die Pegnitz geht es nach
Ottensoos, wo wir beim Obstladen jeder eine Banane essen. Nach Henfenfeld radeln wir einsam durch den Wald, und auch Engelthal und Offenhausen liegen mehr oder weniger im Tal,
so dass wir recht flach daherfahren. In Kucha sitzen
wir dann im Kessel und so müssen wir von 420 m wieder hoch auf 540 m – die
Kante von Kucha ist letzte richtig fiese Steigung,
ca. 15 % und nicht gerade kurz. Trotz Regen schaffe ich den Anstieg, Berni muss
leider schieben.
Über Ittelshofen und Raschbach (laut Höhenmesser
600 m) geht es hinab nach Pülheim, direkt unter den massiven Pfeilern der
Autobahnbrücke hindurch. Entlang dem Tal der Vorderen Schwarzach,
nur in Gnadenberg müssen wir einmal kurz hoch. Mitten in der Kleinstadt sehen
wir auf einmal die Ruine des Klosters Gnadenberg – monumental die Außenmauern
aus braunem Sandstein –, heutzutage wirkt das für dieses kleine Örtchen völlig überdimensioniert.
Wir können nun wieder flach weiterradeln, über Berg kommen wir in Neumarkt in
der Oberpfalz an.
In Bahnhofsnähe hat Berni uns beim Hotel Wittmann
einquartiert, das auch eine Metzgerei und einen Gasthof sein eigen nennt. Nicht
nur, dass der Ochsenbraten und das Schäuferla (Schulter) sehr gut schmecken,
auch das Personal ist sehr fröhlich – aber leider auch der örtliche Alki, der
mit uns ein paar Blutwurz trinken will. Das Zimmer ist klein und heiß, wir sind
bettschwer, aber für eine Kurzbesprechung der Reiseroute für den Folgetag ist
Zeit. Berni schlägt vor, doch einmal vom Routenplan abzuweichen und flach zu
fahren. Schnell gemacht, hier geht das leicht: dann fahren wir entlang dem Ludwig-Donau-Main-Kanal und der Altmühl.
Freitag,
Neumarkt in der Oberpfalz – Kelheim
Puls avg 116 / Mx
158 / In =
2 Bidons, 1 Cappuccino, 1 Stück Kuchen
kurz, leicht; Mütze wegen Sonnenschutz
Da der heutige Tag nur „kurz und flach“ werden
soll, haben wir uns etwas gegönnt: Ausschlafen bis
Um
Überflüssiger
Seitenwechsel, wir müssen nach 1 km wieder zurück ans Ostufer.
Und dann wieder zurück und hoch an den Berg zur
Benediktinerabtei Plankstetten, dann über Beilngries an die Altmühl, wo wir
zunächst auf dem offiziellen Altmühlradweg heizen können, da er breit, geteert
und fast leer ist.
Dietfurth
ist die letzte größere Stadt vor Kelheim, so dass wir einen schnellen
Cappuccino und ein Stück Kuchen zu uns nehmen. Erneut scheitert ein
Aufpump-Versuch an der Tankstelle daran, dass eine Überdrucksicherung am
Druckluftautomaten befindlich ist. Wir beschließen, ein paar Kilometer weiter
mit den Handpumpen zu arbeiten. Ein erneuter Stop ist uns willkommen, da uns
mittlerweile erhebliche Sitzprobleme plagen, schon auf einer kürzeren Etappe
wie dieser.
Da der Altmühlradweg dann aus Schotter besteht,
fahren wir große Strecken auf der Landstraße bzw. später dann auf dem Radweg
daneben. Die Altmühl erinnert hier an den Rhein – steile Felshänge, Schloss
Prunn . Um
Die Pensionswirtin ist streng, harsch, gezeichnet
von Jahren der Migräne und ihrer manischen Ordnungswut. Es gehört auch zu Ihren
Ticks, dass sie in jedem Satz die Person, mit der sie spricht, mit deren Namen
anspricht. Berni und ich fliehen in Richtung Altstadt , dort in den
Biergarten des Weißen Brauhauses von G. Schneider & Söhne. Rad-Trikots mit
deren Emblem sind leider nicht mehr erhältlich, dafür einige Weizen, ein Schweinsbraten
und etwas Obazter. Als aber eine 50köpfige Reisegruppe aus Nordrhein-Westfalen
einschließlich mitgebrachtem DJ einfällt, gehen wir wieder heim. Kloster
Weltenburg hat leider inzwischen geschlossen. In der Pension bringt uns die
Wirtin – dann wieder sehr freundlich – zwei Weizen und die Zeitung in den
Garten. Oben auf dem Zimmer pennt Berni bei laufendem Fernseher ein. Ich werde
wegen Handyphonierens von der Wirtin gerügt J – sie wohnt einen
Stock tiefer…
Sonnabend,
Kelheim – München
Puls avg 128 / Mx
164 / In =
2 Bidons, 1 Cappuccino, 1 Brownie,
1 alkoholfreies Weizen
kurz, leicht; Mütze wegen Sonnenschutz
Krönung der Ordnungswut unserer Wirtin beim
Frühstück: auf Bernis Bitte, er hätte noch gerne eine halbe Tasse Kaffee (den
nur sie ausschenkt – keine Selbstbedienung), antwortet sie ernsthaft „Keine
halben Tassen, sonst verliere ich den Überblick.“ Abfahrt um kurz nach
Durch die Felder fahren wir Richtung Abensberg.
Mein Gesäß meldet sich schon bei km 6,78. Und bei km 8 geht der Puls dann
doch noch mal hoch, weil wir eine nette kleine Welle mit knackiger Steigung
erklimmen. Ansonsten geht es mit wenig Verkehr weiter. In Abensberg suchen wir
die Strecke. Da der Abensradweg nur Schotter zu bieten hat, fahren wir nach
wenigen Kilometern auf die B 301 bzw. später den daneben laufenden Radweg. In
Mainburg gönnen wir uns bei McCafé jeder einen großen Cappuccino und einen
Brownie.
Hinter Nandlstadt geht es wieder auf kleine
Landstraßen, es ist wunderschön, dafür wird es richtig wellig. Bei Attenkirchen
dann eine neu asphaltierte Strecke nach Wolfersdorf – wie das rollt! Und dann
kommt kurz vor Freising der letzte echte Anstieg der Tour: der Freisinger
Forst, aber es sind nur knapp 100 Höhenmeter. So kurz vor dem Ziel kann uns der
nicht schocken. Zur Belohnung gönnen wir uns in Freising alkoholfreie Weizen,
bevor wir an der B 11 nach München sausen. Es ist eben, nur viel Verkehr,
so dass wir später auf die östliche Donauseite wechseln, wo es ruhiger ist.
Ideales Terrain zum Tempomachen – aber unsere Hintern wollen nicht mehr;
andauernde Wechsel der Sitzposition.
Insofern ist es keine richtige „Tour d’honneur“,
denn wir wollen nur noch ankommen, nicht mehr auf dem Sattel sitzen.
Gleichzeitig kündigt sich eine gewisse Leere an – was machen wir nur nach
dieser Tour?
Durch die Isarauen gelangen wir in den Englischen
Garten, direkt an den Chinesischen Turm. Schnell ein Photo, zwei Halbe – und in
dem Moment setzt die Blasmusi ein. Finale!
Anschließend radeln wir zur Wohnung eines Freundes, schauen uns den Schluss der
ersten Etappe der Tour de France an – die sind schneller, aber wir dopen nur
mit Bier.
 
Abschluss im Max Emanuel Biergarten in Schwabing. Schöne Tour!
 
Sonntag,
München Hbf – Wedel (mit der Bahn)
Nach einem zünftigen bayerischen Frühstück mit
Weißbier, Weißwürsteln, Brezn, Krautsalat etc. im Augustiner machen wir uns entspannt auf die Rückreise im IC, die Räder
bringen wir an den reservierten Haken unter.